Freitag, 30. Juli 2010

SIE HEISST MARIELINE


copyright: joerg lehmann
... und kommt aus der nähe von yvetot. dort wächst sie mit muttchen auf und erfreut sich am stroh. ein wahres 5 sterne-haus denke ich.

Mittwoch, 14. Juli 2010

14. JULI 2010



so gegen mittag, irgendwo in der normandie

photography: copyright joerg lehmann


14. juli in frankreisch: während der president von afrikanern umringt seine liebe militärparade abnimmt, sein arbeitsminister von einem skandal zum nächsten rutscht, die rentenreform nicht so richtig passen will und die reichste frau der nation anlass zum zweifel gibt, und das alles die zeitungen kontaminiert und franzosen ihrem staatsoberhaupt nichtmehr richtig trauen mögen,  fällt der regen in der nahen normandie gerade aus dem himmel. pferde und kühe freuen sich über das saftige grün. kirschen hängen satt in den bäumen und schwarze johannisbeeren finden ihren weg in den konfitürenpot. die seine bei caudebec-en-caux fliesst ruhig gen atlantik, als wäre nichts gewesen und "la douce france" möbliert ihren alljährlichen feiertag mit essbarem. nun, da auch bei regen die natur genossen sein will, schrecken franzosen auch vor der örtlichen bushaltestelle nicht zurück. schliesslich ist sommer. die eier hartgekocht, die kalbszunge in tupperware verpackt und das baguette unterm arm, verbringen sie auch bei diesem wetter gemütliche stunden an der landstrasse. schon in meiner kindheit staunte ich nicht schlecht, wenn ich sie mit caravan und kombi an autobahn und landstrassen sitzend, ihre vrepflegung auspacken sah. faltbare campingtische, nebst ihren stühlen, schick mit blick auf den nächsten vorbeirauschenden 40 tonnen camion. ist es nicht schön hier?

Donnerstag, 8. Juli 2010

zweikommazweidreikilo


so sah es vor dem essen aus, stark und normannisch.

photography: copyright joerg lehmann


... wog der normannische hummer(in) heute morgen, als ich ihn(sie) aus einer poissonnerie in st-vaast-la-hougue in mein mietauto pilotierte. nervös der hitze entgegentretend versteckte ich ihn(sie) im zug von cherbourg nach paris und war glücklich das wunderbare tier noch lebend an der gare saint-lazare richtung zu meinem naheliegenden studio bringen zu können. nun, was machen mit diesem monstrum?? leider kommen derartige tiere nicht so sehr oft auch nur in die nähe meiner bescheidenen küche. bei schwierigen aufgaben der kochkunst, passiert schonmal, rufe ich johann lafer an. der, gerade aus süd-afrika gelandet (verloren aber glücklich 0:1 ...) hat selbstverständlich das richtige rezept: joerg, sagt er, gib das ding in kochendes wasser, lass es einmal richtig aufkochen und stell dann den topf zur seite für 20 minuten. gesagt getan ............................... auf der zunge zerfloss der(die) prähistorikerin mit ihren(seinen) zangen. lange habe ich auf ein solches monment gewartet, heute war es soweit. danke johann!
tip: wir haben etwas vinaigrette (einen hauch) dazu genommen (aus reisessig und sojasauce). LA VIE EST VRAIMENT BELLE QUOI ;-)

übrigens: in das wasser sollte man (laut johann lafer) etwas salz und kümmel geben. recht hat der mann!

der wein dazu: 

DOMAINE SAINT AMANT
LA BORRY 2006
COTES DU RHONE
VIOGNIER TRAUBE aus den bergen der dentelles de montmirail

Donnerstag, 1. Juli 2010

KAKTUSMARMELADE









die dinger mit den vielen stacheln haben tatsächlich früchte aus den man marmelade erzeugen kann. die frucht nennt man auf den kanaren HIGO INDIO.  sie wird auf lanzarote handgepflückt und gibt einen etwas mineralischen geschmack. schön anzusehen sind sie auch, fast möchte man hingehen und das pelzige fell der pflanze streicheln und liebkosen. die hausgemachten konfitüren werden auch in verbindung mit banane und orange angeboten. das ist doch mal was anderes. oder wie wäre es mit einer kombination kaktus/stachelbeere ... aber die wachsen da nun wieder nicht ...

1. JULI 1474 - 1. JULI 2010



heute morgen 06:50 , 1. juli 2010 vor dem louvre









photography: copyright joerg lehmann

das erste kochbuch der welt hat den namen MANFREDI und kam am 1. juli 1474 auf die welt. das hier auf dem photo zu sehende exemplar ist äusserst selten. nur wenige bücher sind weltweit nachweisbar. vor erfurcht hatte ich probleme die seiten durchzublättern. übrigens sind von allen bekannten exemplaren nur dieses im besten zustand.

girolamo de manfredi war arzt und lehrer der medizin in bologna. das werk richtete sich seiner zeit an das gebildete laien-publikum und wurde deshalb in einer verständlichen frage-antwort-form verfasst. "PERCHÉ" ist italienisch und heisst warum. alltägliche fragen werden hier beantwortet, wie beispielsweise, warum man brot kalt und nicht warm essen sollte. somit war es bis in das 19 jahr. ein echter bestseller.
das LIBRO DE PERCHÉ gilt als früheste gedruckte vorform des kochbuchs. damals fand man keine rezepte in derartigen publikationen, vielmehr hinweise und anleitungen zur gesunden lebensweise (ist das nicht heute auch wieder so?).
manfredi teilt sich im übrigen den ruhm des "ersten" gedruckten kochbuchs mit platina//martino de como, dessen buch gleichfalls 1474 in italien erschien.

gefunden habe ich das exemplar bei einem sammler in seiner bibliothek. mir blieb fast der atem weg. bücher und steine sind geduldig und erzählen und erzählen. was ist seit der veröffentlichung geschehen in den küchen italiens und der welt. hätte girolamo manfredi geahnt, dass hunderte jahre später der nicht gebildete homo sapiens vor dem pariser louvre hockt und mit chemie gefüllte kartoffelships und cola zu sich nimmt? hätte er geahnt, dass sein buch letztendlich zu nichts geführt hat? würde er sich wie man sagt im grabe drehen schon bei der reinen vorstellung? konnte er sich vorstellen, dass der mensch sich in schnellen autos bewegt und dort öl einführt, welches teurer ist als das tägliche olivenöl. wir wollen es ihm ersparen und sein werk geniessen.