Donnerstag, 8. April 2010

WO IST EIGENTLICH DER CHEF?


photography: copyright joerg lehmann

ja, auch mir passieren die unglücklichen reinfälle bei restaurantbesuchen. besonders dann, wenn ein kunde sagt: komm, wir gehen eben etwas essen um die ecke, oder wenn man kurz vor oder nach dem konzert eine kleinigkeit zu naschen braucht. 

also was machen? der laden um die ecke ist in den allermeisten fällen eine pleite. junge menschen mit grossem auftritt und gut gefüllten portefeuilles, loungeambiente, manikürte tief dekoltierte bedienung und ein gut aussehender chef (assez branché) stehen hinterm comptoir und bedienen die hereinströmenden kunden. mittagszeit in paris. das baguette ein schatten seiner selbst (model pappkarton ohne inhalt), der vegetarische salat, eine dosenöffnungs-schütte-es-auf-den-teller vorstellung (mit dem dazugehörigen mayonaiseglibber aus der convinientfoodwelle). der laden platzt aus den nähten und man fragt sich, ob man selbst nichtmehr von diesem planeten ist oder man den wirt auf der stelle verprügeln sollte. mittagszeit in paris, schickes 16. arr. immerhin. hier werden die limosinen durch die gassen promeniert und sowieso fühlt man sich wie ein echter pariser. feine boutiquen und viel brumbrum. 

wo ist eigentlich die rechtfertigung für das eintragen der sog. "gastronomie francaise" in das weltkulturerbe? oder wird dieses erbe nur noch von den wenigen besternten köchen über wasser gehalten? die haben zumindest noch einen chef in der küche, wo andernorts nur noch aufgewärmt oder zusammengeschüttet wird. leider sind auch in paris die zeiten vorbei, wo man ohne ein kulinarisches desaster einzugehen, mal eben um die ecke gehen konnte. heute: viel deko, hohe preise und ein tiefer frust. ohne iphone oder vertrautem restoführer in der hand, geht man nichtmehr aus dem haus. lieber nichts essen und lieber wasser als schlechten wein. es lebe die welt der askese. 
mein tip: lieber nach tokyo fahren wenn man ordentlich essen möchte, vom service mal ganz zu schweigen. VIVE LE JAPON!

Kommentare:

  1. Ich habe noch nie in einer Metropole in Querschnitt so schlecht gegessen, wie in Paris. Dafür gibt es als Kompensation ein paar Highlights, wie das mittägliche Marktmenü von Pierre Gagnaire oder Carree des Feuillants.

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  2. Daruma hinter den Deichtorhallen ist unbedingt empfehlenswert. Hamburgs Metropolpositionierungsversuch in Sichtweite inklusive.

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  3. leider muss man sagen, das es auf "gutbürgerlichem" niveau in hamburg besser schmeckt als in paris. vom preis mal ganz zu schweigen.

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