Donnerstag, 8. Oktober 2009

"ET IN VAL DE LOIRE EGO"



















photography: copyright joerg lehmann


... "auch ich war im loire tal" - im original: "et in arcadia ego" - auch ich war in arcadien. für VERGIL war ARKADIEN das land, wo die dichtung ihren ursprung und ihre heimat hat und somit auch die imaginäre heimat eines jeden dichters ist. im barock und in der renaissance war die griechische landschaft arcadien zum symbol des goldenen zeitalters geworden, in dem menschen als glückliche hirten im einklang mit der natur lebten und sich ganz und gar der musse, liebe, dichtung und musik hingaben.

zeitsprung: auch in frankreich gibt es ein arcadien. die noch im unterlauf wilde LOIRE ist für mich das seitenverkehrte herz des ehemaligen königreiches. wilde auen, dunkle wälder, romantische schlösser und ihre gärten, geben zumindest vor, das es noch immer orte gibt, an denen man sich romantischen momenten hingeben kann. seichte weinlandschaften zwischen TOURS und ANGERS zeichnen die ufer des flusses, gezirkelte schlossgärten zeugen von den follien der französischen aristokratie. sie wussten sehr wohl, warum sie gerade hier ihre steine zu architektonischen träumereien zusammenfügten. die jagdgründe sind masslos und die trauben süss. 
an der loire spielt die CHENIN BLANC traube die erste geige. sie ist für mich, neben riesling, die edelste weissweinfrucht und erzeugt eine sensorielle maximalfreude (nicht nur als trocken ausgebauter weisswein, auch beispielsweise als VOUVRAY oder COTEAUX DU LAYON im süsswein segment). die roten werden geprägt durch CABERNET FRANC, der hier so richtig fahrt bekommt und sich vor dem grossen bordelaiser bruder nicht verstecken muss. 

heute muss man nicht mehr könig sein, um seinen vierspanner an der auberge anhalten zulassen. von denen gibt es reichlich in flussnähe. auf knatschenden parkettböden schreitet man, auf dem wege zum reservierten tisch, das restaurant ab (umgeben von gemälden von louis soundso oder francois diesunddas, allesamt potentaten oder untertanen irgendeines königs).meterhoch hängen sie da, die portraits der weissen lockenköpfe (de l´époque) und in allen ecken stehen bibliotheken, beladen mit schlauem und antikem. die noblen herbergen sind mit allem ausgestattet, was der höfische zeitgenosse erwartet, kamine gross wie unsere wohnungen, hundemeuten für die hetzjagd, fürstlich sortierte weinkeller mit ebenso fürstlichen bouteillen und angeschlossenen gärten, in denen man sich fragt, warum das leben so kurz sein muss und das bankonto so klein. 
kulinarsich gesehen ist das loiretal mit seinen zahlreichen RELAIS ET CHATEAUX herbergen eine der besten adressen des landes. nicht weit vom atlantik spielt fisch eine grosse rolle. austern werden gegessen wie in deustchland müsli und wild ist sprichwörtlich in aller munde. besonders gefällt mir das oben zu sehende gericht "géline en demi-deuille" (géline in halbtrauer). die GÉLINE DE TOURAINE ist ein lokales federvieh ganz besonderer art. festes fleisch zergeht auf der zunge wie eine vorrüberziehende schäfchenwolke. unter der haut lauern trüffelscheiben, die den genuss zur imperialen ekstase werden lassen, eben wie dichtung, musse oder musik.

Kommentare:

  1. Huhn in Halbtrauer - steht bei mir auch am Kochprogramm, wenn mir demnächst ein Freund schöne Piemont-Trüffel mitbringt - Geline gibt es bei uns nicht, aber schöne Perlhühner oder einen Sulmtaler Kapaun. Dazu noch einen Clos de la Coulée Serrant von Joly, das romantische Schloss muss ich imaginieren, Auen und Nebel sind vorhanden ...

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  2. das geht auch ohne schloss eline. der coulée de serrant ist ein mineralischer hammer. den mag nicht jeder, wir schon. irgendwann kochtst du für mich mal ein perlhuhn hoffe ich. den wein bringe ich mit :-)

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  3. Wow, die Fotos sind echt fantastisch, Leckerbissen für's Auge! Und die Beschreibung vom "géline en demi-deuille" zergeht auf der Zunge, sozusagen!

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  4. danke, ziel erreicht :-) die reise passiert ja doch meistens im kopf des menschen und so sind wort und text zwar schwierig zu vermählen (bin kein profischreiber), regen aber die sinne an und machen neugierig auf mehr. bestens aus paris, jl

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  5. Da mach ich glatt, gourmetpilot - dann hätte ich endlich mal jemanden, der von meinen Gerichten schöne Fotos macht ;-)

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