Mittwoch, 23. September 2009

MADELEINE


photography: copyright joerg lehmann

"... viele jahre lang hatte von combray ausser dem, was der schauplatz und das drama meines zubettgehens war, nichts mehr für mich existiert, als meine mutter an einem wintertag, an dem ich durchfroren nach hause kam, mir vorschlug, ich sollte entgegen meiner gewohnheit eine tasse tee zu mir nehmen. ich lehnte erst ab, besann mich dann aber, ich weiss nicht warum, einens anderen.
sie liess daraufhin eines jener dicklichen, ovalen sandtörtchen holen, die man PETITES MADELEINES nennt und die aussehen, als habe man dafür die gefächerte schale einer jakobs-muschel benutzt. gleich darauf führte ich, ohne mir etwas dabei zu denken, doch bedrückt über den trüben tag und die aussicht auf ein trauriges morgen, einen löffel tee mit einem aufgeweichten kleinen stück madeleine darin an die lippen. in der sekunde nun, da dieser mit den gebäckkrümeln gemischte schluck tee meinen gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. ein unerhörtes glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und des dessen grund mir unbekannt blieb hatte mich durchströmt..."

von MARCEL PROUST - un amour de swann

beim lesen dieses textes sehne ich mich nach derartigen talenten in der schreibenden gourmetwelt. mit einer unglaublichen beobachtungsgabe, auch des kleinsten details, wird dem leser jenes moment vermittelt, welches sich einzustellen vermag, wenn eine kleine madeleine sich mit mit einem löffel tee vermählt. grossartige literatur aber zugleich traurig, dass wir MARCEL PROUST nichtmehr unter uns haben. er würde die texte schreiben, die worte finden und die sätze stricken und somit den gourmet auf eine unverhoffte reise schicken...

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