Dienstag, 28. Juli 2009

GRILLEN IN DEUTSCHLAND


wer möchte nicht mit dieser reizenden gastgeberin am heissen grill sitzen und sich ordentlich die finger verbrennen????

photo und text: anne-katrin sura

endlich eine gastautorin im GOURMETPILOTEN. anne-katrin sura aus königstein im taunus, wird den meisten wohl ein begriff sein, als leidenschaftliche köchin und kochbuchautorin. 
jetzt, mitten im sommer brennen offensichtlich die deutschen grillöfen im garten von hinz und kunz. grund genug eine temperaturentnahme der deutschen grillseele zu starten: grill an, wurst ab:


 

 Woher sollen wir in diesen Breitengraden eigentlich wissen, wann

 Sommer ist?

 Gut, da wäre der 21. Juni, der offizielle Sommerbeginn, mit dem unsere

 Vorfreude auf sommerliche Temperaturen und das fröhliche Treiben im

 Freien steigt. Aber trotz Klimaerwärmung halten sich die

 Höchsttemperaturen dann hartnäckig bei 16 Grad, immer wieder Wolken

 und Regenschauer - in den Badeseen und Schwimmbädern ist es wärmer als

 drumrum...Da kommt keine Freude auf.

 Allerorten ruft es zu Kerb, Kirchweih und Sommerfesten, und wir

 Deutschen sind ja hart im Nehmen, wir stehen auch im Regencape an der

 Wurstbude und erfreuen uns in der Kälte am kalten Bier.

 Ich sage Ihnen mal, was für mich das eindeutige und unfehlbare Indiz

 ist, dass Sommer ist:

 Es riecht nach Rauch. Das bisschen Sonne, das durch die Baumwipfel

 scheint ist schlagartig verdunkelt, oben und unten schwarze

 Rauchschwaden: es wird gegrillt.

 Die Metzger haben Hochsaison, denn Bratwürste und Schwenksteaks müssen

 jetzt her!

 Ich sitze hier oben und beobachte schmunzelnd die vielen großen und

 kleinen Dramen, die sich in Gärten und auf Terrassen abspielen: alle

 Jahre wieder. Die Herren der Schöpfung laufen mit stolzgeschwellter

 Brust zu Höchstform auf und fuchteln mit Grillanzünder und Grillzange.

 Ähnlich wie damals die Neandertaler sind sie endlich Herr über die

 Feuerstelle, die ja im Alltag gern dem „schwachen Geschlecht“

 überlassen wird. Die Grill-Parole ist ausgegeben und so verteidigen

 sonst eher zivilisierte soignierte Gentlemen mit markigen Sprüchen

 Glut und Grillgut, löschen größere Schmauchspuren und den eigenen

 Durst lässig mit einem zischenden Bier – selbstverständlich aus der

 Flasche! Im Freien gibt es schließlich keine Etikette und die Rollen

 sind klar verteilt: Der Herr des Hauses kümmert sich um die Glut (ich

 mach das schon!) und die Fleischbrocken – immer wieder schießen

 Stichflammen in alle Richtungen – und die Gäste, Kinder und Ehefrauen

 freuen sich ehrfürchtig an dem Spektakel, und hoffen nach Stunden

 insgeheim, dass es doch noch was zu essen gibt. Und meistens ist es

 so, dass der Grillmeister irgendwann entnervt den Befehl zum Grillen

 gibt, wenn die Kohle noch gar nicht durchgeglüht ist, was dann dazu

 führt, dass das leckere Steak außen verkohlt und innen noch gefroren

 ist.

 Das ist sie also die Krone der Schöpfung, die, kaum ist der Sommer

 ausgebrochen, in die Steinzeit zurückfällt und mit der Fleischgabel

 zum Master of the Universe mutiert,

 wundert sich hustend (hoffentlich keine Raucherlunge!)

 

 


 

 

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