Dienstag, 14. Juli 2009

14. JULI


photography: copyright joerg lehmann

am 21. mai 1880 legte benjamin raspail den grundstock für den 14. juli als nationalfeiertag der franzosen. bezug nahm er natürlich auf die erstürmung der bastille am 14. juli 1789. gefeiert wird aber der 14. juli 1790, eher als förderationsfest bekannt. an diesem tag feierte man den ersten jahrestag dieses grossen ereignisses. 
mit der damals gedachten "versöhnung aller franzosen" ist es heute nichtmehr soweit. das inzwischen zu einer tradition gewordene abfackeln von autos in der banlieu und anderswo, vermiesepetert so manchen presidenten seine gardenparty im elysée palast. in frankreich riecht es in diesen tagen weniger nach gegrillten bratwürsten als nach verbrannter erde und einem nicht endenden wollenden konflikt zwischen den "force de l´ordre" und seinen mehr oder weniger zivilisierten mitbürgern. 
man hat das gefühl, die party ist vorbei im land der 350 oder mehr käsesorten. während der kleine blingblingneunapoleon an der berühmtesten prachtstrasse der welt die militärparade abnimmt und ganz frankreich der ansprache des presidenten im fernsehen entgegenfiebert, stellen die 336 arbeiter der  insolventen firma new fabris dem psa und renault konzern ein ultimatum bis zum 31. juli, mit der forderung, jedem von ihnen eine abfindung von 30000 euro zu zahlen. bei nichtzahlung droht ein feuerwerk der anderen art, will sagen, die sprengung der industrieanlage.
dennoch, das volk tanzt in dorf und land nach bal musette und vergisst die grossen probleme des alltags für einige stunden mit brot und wein. die feuerwehrmänner von paris schmeissen parties, strassen werden zu fussgängerzohnen, feuerwerke an eiffeltürmen und rathäusern locken ahhhhs und ohhhhs aus den staunenden mündern. und wieder einmal sind sich alle einig: 
VIVE LA FRANCE, VIVE LA RÉPUBLIQUE!

Kommentare:

  1. Sehr schön, der alte de Gaulle als uniformierter Baguettekasperl!!! Die Party geht übrigens DOCH weiter. Gleich nach der Militärparade im Elysee-Garten, mit immerhin 5000 Gästen. Letztes Jahr waren es 7000 VIP und Möchtegern-Wichtige (Kosten damals 475.000 Euro), aber da hagelt die Krise und die neue erzwungene Sparsamkeit des Ex-BlingBling-Präsidenten dazwischen. Übrigens keine Party in den französischen Gefängnissen, weil es die präsidentielle Amnestie nur zur Präsidenten-Wahl gibt. Und diese Tradition hat Sarkozy im Mai 2007 auch ausfallen lassen. Keine Amnestie, weder für Falschparker noch kleine und große Ganoven.

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  2. merde alors, da habe ich mich doch getäuscht. passt so gut ins konzept. danke für den sachdienlichen hinweis!

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