Dienstag, 2. Juni 2009

ALLES KÄSE? NEIN, EBEN NICHT, NAJA NICHT GANZ

photography: copyright joerg lehmann


das loblied auf den französischen käse, wer kennt es nicht. fröhliche akkordeonisten, igendwo im tiefen frankreich, mit baskenmütze auf  dem kopf und einem käse auf dem tisch. dennoch, das cliché muss bedient werden. da aber mit der gaulloise im mund nichtmehr geworben werden darf, und schon garnicht mit wein, sehen wir heute in frankreich trotzdem noch den bemützten alten opa-milchbauern, den blick leicht verträumt in den wiesen verloren, irgendwo zwischen strohballen und glücklichen milchkühen. 

soweit zum image. wie sieht es also aus im französischen käseglück? triste, sehr triste! die goldenen tage sind vorbei. käse sehen eher aus wie plastik und man schämt sich auch nicht, ziegenmozarella zu verkaufen. natürlich kann die ziegenmilch nicht das, was die kuhmilch kann, d.h. ihr fehlt die weiche, fast cremige struktur. also fügt man gelatine hinzu. passt doch, geht doch, sagen sich die grossindustriellen. selbstverständlich gibt es bereits ziegenkäse, bei denen man mit "arome chèvre" wirbt. da frage ich mich auch, was denn noch nötig ist an aromen, wenn man bereits mit ziegenmilch arbeitet.

in zahlen ausgedrückt: von 1 897 000 tonnen in frankreich hergestelltem käse, fallen lediglich 193 631 tonnen auf den sog. AOC käse (quelle: CNIEL - les produit laitiers).

bon, also ein käse von 10 ist nicht industriel. das hört sich nicht gut an für die romantischen bauernhöfe auf den etiketten im supermarkt. dem kunden werden bilder  verkauft, die fern der realität sind. schluss also mit den lustigen kühen und ihren bimmelglocken. das land mit den tausend käsen, ist eher ein land mit den 900 industriekäsen.

die abstimmung ist dennoch einfach: käse kaufe ich beim käsemann und nicht im supermarkt.
wollen wir mal hoffen, dass die rund hundert noch verbliebenen nicht bald auch sanft zu grabe getragen werden.


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